Wissenswertes zum Raiffeisenhaus

Alte Bürgermeisterei

Friedrich W. Raiffeisen übte von 1848 bis 1852 in diesem Haus das Amt des Bürgermeisters der „Samtgemeinde“ Flammersfeld aus.
1849 gründete er hier den „Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirthe“, den weltweit ersten Darlehnskassenverein.
„Der Verfassser verwaltete vom Jahre 1848 bis 1852 die Bürgermeisterei Flammersfeld im Westerwalde, einen rein ländlichen ackerbautreibenden Bezirk von fünf Pfarreien, drei und dreißig Civilgemeiden … Obgleich die Bodenbeschaffenheit im Allgemeinen günstig, die Einwohnerzahl im Verhältnis zum Flächeninhalte nicht hoch war, herrschte Geldnoth …“
(F. W. Raiffeisen, Die Darlehnskassenvereine, 1. Auflage)

 

Lehm-Strohwickel-Decken – Wickeldecke – Schlierdecke
im Raiffeisenhaus

RaiffeisenhausDiese Form der Decken, Wickeldecke oder Lehm-Strohwickel-Decken genannt, waren sehr verbreitet.
In die Deckenbalken wurden von links nach rechts Nuten eingearbeitet. Als Verbindung von Nut zu Nut wurden zwischen den Balken sogenannte Schlierscheite eingebracht. Wenn diese eingepasst waren, begann man mit dem Wickeln. Dazu benötigte man einen sogenannten Wickeltisch, also zwei Holzböcke mit einer Platte darauf.
Man nahm ein Schlierscheit heraus und legte Langstroh in der Breite der Schlierscheite auf den Tisch.
Halm neben Halm, die Ähren Richtung Tischmitte.
Am besten eignete sich Roggenstroh, da es sehr geschmeidig ist und nicht so leicht bricht.
Als nächstes schmierte man eine Seite des Scheites mit Lehm ein und drückte es auf das Stroh, man klappte einmal das Stroh herum und schmierte wieder Lehm darauf und so ging es weiter.
Man rollte also praktisch auf. War der Wickel fertig, so setzte man ihn in die Nuten der Balken.
Zum Abschluss wurde die Untersicht der Decke dann mit einem Stroh-Lehm-Gemisch zum Ausgleich der Fläche verschmiert.

 

Fachwerkgefach im Raiffeisenhaus

Das Fachwerkgerüst besteht aus Eichenholz.
Um in jedem Gefach ein Flechtwerk zu verankern, werden in die Riegel über und unter dem Gefach zunächst Nuten eingestemmt. In diese setzt man senkrecht Staken (meist Eiche) ein.
Zwischen diese Staken werden horizontal Weidenruten eingeflochten, wodurch ein korbähnliches Flechtwerk im Gefach entsteht.
Dieses Flechtwerk fungiert als Träger für den Lehm, mit dem nun das Gefach beworfen oder verschmiert wird. Der Lehm umschließt die einzelnen Staken und Ruten und findet an ihnen Halt.
Zum Schluss wird das Gefach mit einem Lehmputz verputzt und meist mit sogenannter Kaseinfarbe, bei der die Farbpigmente werden mit Milcheiweiß gebunden sind, gestrichen.

Raiffeisenhaus - Raiffeisenstraße 11 - 57632 Flammersfeld - Telefon (02685) 809-115
Trägerschaft: Verbandsgemeinde Flammersfeld